Am kommenden Samstag, den 25. Januar, wird in ganz Schottland ein ganz besonderes Fest gefeiert: Burns Night. Während die meisten von uns Robert Burns vor allem durch das Silvester-Lied „Auld Lang Syne“ kennen, ist der schottische Nationaldichter in seiner Heimat eine absolute Legende. Für alle, die gerade ein Auslandssemester in Schottland verbringen oder dies planen, ist die Burns Night eine perfekte Gelegenheit, tief in die schottische Kultur einzutauchen.

Burns Night am 25. Januar 2026 in Edinburgh: Der ultimative Guide für Studenten. Tradition, Haggis, Events und Tipps für dein Auslandssemester in Schottland
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Wer war Robert Burns?

Robert Burns, liebevoll „Rabbie“ genannt, wurde am 25. Januar 1759 geboren und gilt als Schottlands größter Dichter. Obwohl er nur 37 Jahre alt wurde, hinterließ er ein beeindruckendes literarisches Erbe. Seine Werke behandeln zeitlose Themen wie Liebe, Natur, Gleichheit und das einfache Leben. Burns schrieb in schottischem Dialekt und machte die Sprache seiner Heimat salonfähig. Sein bekanntestes Werk „Auld Lang Syne“ wird weltweit zu Silvester gesungen – oft ohne zu wissen, dass es von einem schottischen Bauern aus dem 18. Jahrhundert stammt.

Was Burns aber besonders macht, ist seine Rolle als Volksheld. Er schrieb über das Leben einfacher Menschen, kritisierte gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und feierte die schottische Identität zu einer Zeit, als diese unter Druck stand. Kein Wunder also, dass ihm am 25. Januar jedes Jahr ein ganzes Fest gewidmet wird.

Was ist ein Burns Supper?

Das Herzstück der Burns Night ist das sogenannte Burns Supper – ein traditionelles Abendessen mit festem Ablauf, das seit über 200 Jahren praktisch unverändert gefeiert wird. Das erste Burns Supper fand 1801 statt, als sich neun Freunde des Dichters in seinem Geburtshaus in Alloway trafen, um seiner zu gedenken.

Ein klassisches Burns Supper läuft ungefähr so ab:

Die Begrüßung: Der Gastgeber spricht ein paar Worte, alle setzen sich, und das „Selkirk Grace“ wird gesprochen – ein kurzes, traditionelles Tischgebet.

Der Haggis-Einzug: Hier wird es spektakulär. Der Haggis – das berühmte schottische Gericht aus Schafsinnereien, Haferflocken und Gewürzen – wird unter Dudelsackmusik feierlich hereingetragen. Der Gastgeber rezitiert dann Burns‘ Gedicht „Address to a Haggis“, in dem der Dichter das Gericht humorvoll preist. Am Ende wird der Haggis mit einem dramatischen Schnitt geöffnet und mit „neeps and tatties“ (Steckrüben und Kartoffeln) serviert.

Die Reden: Nach dem Essen folgen verschiedene Reden und Rezitationen von Burns‘ Gedichten. Das Highlight ist die „Immortal Memory“ – eine Rede zu Ehren des Dichters. Danach folgt der „Toast to the Lassies“ (Trinkspruch auf die Damen) und die „Reply to the Toast to the Lassies“ (Antwort darauf) – oft humorvoll und mit einem Augenzwinkern vorgetragen.

Der Abschluss: Alle erheben sich und singen gemeinsam „Auld Lang Syne“, oft mit überkreuzten Armen und Händen – ein bewegender Moment der Gemeinschaft.

Burns Night in Edinburgh 2026

Edinburgh bietet dieses Jahr eine beeindruckende Vielfalt an Burns Night Events. Von traditionellen Suppers in historischen Pubs bis hin zu modernen Interpretationen ist für jeden etwas dabei:

Für Studenten mit kleinem Budget: Viele Pubs wie „The Three Sisters“ oder „The Last Drop“ bieten spezielle Student-Nights mit erschwinglichen Menüs an. Hier bekommt man traditionelles Haggis mit Neeps and Tatties oft schon für unter 15 Pfund, dazu Live-Musik und eine authentische Atmosphäre.

Für Kulturinteressierte: Das National Museum of Scotland veranstaltet eine Burns Night Ceilidh (ausgesprochen „Kay-lee“) – ein traditioneller schottischer Tanzabend. Keine Sorge, ihr müsst die Schritte nicht kennen – ein Caller erklärt alles, und die Stimmung ist ausgelassen und anfängerfreundlich.

Für Whisky-Fans: Die „Whiski Rooms“ bieten Burns Night Dinners mit begleitenden Whisky-Tastings an. Hier lernt ihr nicht nur mehr über Burns, sondern auch über Schottlands flüssiges Gold.

Das besondere Erlebnis: Im „Dynamic Earth“ findet dieses Jahr eine ganz besondere Burns Night statt – unter dem Sternenhimmel des Planetariums. Tradition trifft auf Galaxie – ein unvergessliches Erlebnis.

Was sollte man über Burns Night wissen?

Haggis probieren – ein Muss: Ja, die Zutatenliste klingt gewöhnungsbedürftig. Aber Haggis schmeckt tatsächlich sehr gut – würzig, herzhaft und mit einer interessanten Konsistenz. Viele beschreiben es als eine Art rustiges Hackfleisch mit Haferflocken. Probiert es mindestens einmal!

Die Atmosphäre zählt: Burns Night ist keine steife Angelegenheit. Es wird gelacht, getrunken (verantwortungsvoll natürlich) und gefeiert. Die Schotten nehmen ihre Traditionen ernst, aber mit viel Humor.

Dresscode: In den meisten Pubs geht es leger zu. Für gehobene Burns Suppers in Hotels oder Restaurants wird oft „smart casual“ erwartet. Manche Schotten tragen zu diesem Anlass auch den Kilt – wer einen hat oder sich einen leihen möchte, ist sehr willkommen.

Buchung empfehlenswert: Gerade in Edinburgh sind viele Events schnell ausgebucht. Also rechtzeitig Tickets sichern!

Burns Night für Nicht-Muttersprachler

Keine Sorge, wenn ihr nicht jedes Wort der Gedichte versteht. Selbst viele Schotten haben Mühe mit Burns‘ schottischem Dialekt. Das gehört zum Charme dazu. Die meisten Veranstaltungen haben Hosts, die die wichtigsten Passagen erklären oder auf modernem Englisch wiederholen.

Und falls jemand euch auffordert, ein Gedicht vorzutragen – das ist völlig optional. Ihr könnt einfach zuhören und die Atmosphäre genießen. Aber wer mutig ist und „To a Mouse“ oder „My Love is Like a Red, Red Rose“ rezitiert, erntet garantiert Applaus und Anerkennung.

Warum Burns Night als Student nicht verpassen?

Burns Night ist eine dieser Gelegenheiten, die man nur in Schottland so richtig erleben kann. Es ist authentisch, gesellig und gibt einen tiefen Einblick in die schottische Seele. Anders als die touristischen Sommerfestivals ist Burns Night vor allem ein Fest für die Einheimischen – und genau deshalb so besonders.

Für Austauschstudenten bietet es die Chance, mit Locals ins Gespräch zu kommen, neue Freunde zu finden und Geschichten zu sammeln, die man noch Jahre später erzählt. Und mal ehrlich: Wie viele können von sich behaupten, in einem 200 Jahre alten schottischen Pub Haggis gegessen und zu Dudelsackmusik getanzt zu haben?

Praktische Tipps

  • Tickets: Schaut auf „What’s On Edinburgh“ nach aktuellen Events und Preisen
  • Anreise: Die meisten Venues liegen zentral und sind gut mit Bus oder Tram erreichbar
  • Timing: Die meisten Burns Suppers beginnen gegen 19 Uhr
  • Alternative: Wer am 25. Januar keine Zeit hat – viele Events finden auch am Wochenende davor oder danach statt

Fazit

Die Burns Night ist weit mehr als nur ein Abendessen. Es ist ein Fest der Sprache, der Gemeinschaft und der schottischen Identität. Für alle, die ein Auslandssemester in Schottland verbringen, ist es eine einmalige Gelegenheit, die Kultur des Landes auf eine Weise zu erleben, die im Reiseführer nicht steht.

Also: Reserviert euch einen Platz, probiert den Haggis, lauscht den Gedichten und singt am Ende „Auld Lang Syne“ mit – ihr werdet es nicht bereuen. Und wer weiß, vielleicht wird Burns Night ja zu eurer neuen Lieblingstradition.

Slàinte mhath! (Gälisch für „Zum Wohl!“)