Während die meisten von uns das neue Jahr längst hinter sich gelassen haben und wieder im Alltag angekommen sind, gibt es in Schottland einen kleinen Küstenort, der erst vor wenigen Tagen ins Jahr 2026 gestartet ist. Burghead an der Moray-Küste feiert nämlich nicht am 1. Januar Neujahr, sondern erst am 11. Januar – und das mit einem spektakulären Feuerfestival, das Besucher aus ganz Schottland anzieht.

Ein Fest mit jahrhundertealter Tradition

Das „Burning of the Clavie“ ist mehr als nur ein Feuerwerk oder eine Party. Es ist ein Ritual, das tief in der Geschichte des kleinen Fischerdorfs verwurzelt ist. Der Ursprung liegt in der Kalenderreform des 18. Jahrhunderts: Als Großbritannien 1752 vom julianischen auf den gregorianischen Kalender umstellte, gingen offiziell elf Tage „verloren“. Die Bewohner von Burghead – liebevoll „Brochers“ genannt – weigerten sich schlichtweg, diese Änderung anzuerkennen und blieben dem ursprünglichen Neujahrstermin treu.

Was als Protest gegen die Kalenderreform begann, hat sich über die Jahrhunderte zu einer der authentischsten und faszinierendsten Traditionen Schottlands entwickelt. Dieses Jahr fand das Fest am 10. Januar statt, da der 11. auf einen Sonntag fiel – aus Respekt vor alten religiösen Vorschriften wird das „heidnische“ Feuerfest nie am Sabbat gefeiert.

So läuft das Burning of the Clavie ab

Gegen 18 Uhr versammeln sich Tausende von Menschen in den engen Gassen von Burghead. Der Clavie selbst ist ein halbiertes Heringsfass, gefüllt mit Holzspänen und Teer, das auf einen Pfahl montiert wird. Die sogenannte Clavie Crew, angeführt vom Clavie King Dan Ralph, trägt das brennende Fass durch die Straßen des Ortes.

Der Rauch zieht durch die Gassen, die Flammen werfen tanzende Schatten an die alten Hauswände, und die Menge folgt dem lodernden Spektakel. An ausgewählten Häusern macht die Prozession Halt, und glühende Holzstücke werden als Zeichen der Ehre übergeben. Diese Stücke werden das ganze Jahr über aufbewahrt – sie sollen Glück bringen.

Der Höhepunkt des Abends findet auf dem Doorie Hill statt, den Überresten einer alten piktischen Festung mit Blick auf den Moray Firth. Hier wird der Clavie in eine speziell angefertigte Halterung gesetzt und mit immer mehr Brennstoff gefüttert. Die Flammen schlagen meterhoch in den Nachthimmel, die Hitze ist selbst aus der Entfernung spürbar. Wenn das Fass schließlich zusammenbricht, stürzen sich die Brochers nach vorne, um Stücke des verkohlten Holzes zu ergattern. Diese werden als Glücksbringer an Familie und Freunde verschickt, die nicht mehr in Burghead leben – eine berührende Geste, die zeigt, wie wichtig die Tradition für die Gemeinschaft ist.

Ein Erlebnis für Austauschstudenten

Für alle, die ein Auslandssemester in Schottland planen oder bereits vor Ort sind: Das Burning of the Clavie ist ein absolutes Muss für eure Bucket List. Es ist eine dieser Gelegenheiten, bei denen man die schottische Kultur wirklich hautnah erlebt – nicht als Tourist, sondern als Teil einer Gemeinschaft, die ihre Traditionen mit Stolz und Leidenschaft pflegt.

Burghead liegt etwa 30 Minuten mit dem Bus von Elgin entfernt und ist gut erreichbar. Die Atmosphäre ist einzigartig: eine Mischung aus Feuer und Folklore, aus alter Geschichte und lebendiger Gegenwart. Während der kalten Wintermonate kann es in Schottland manchmal etwas eintönig werden, aber Veranstaltungen wie diese zeigen, dass gerade die dunkle Jahreszeit voller magischer Momente steckt.

Weitere Winterfestivals in Schottland

Das Burning of the Clavie ist nicht das einzige Feuerfestival, das Schottland im Winter zu bieten hat. Von Januar bis März finden auf den Shetland-Inseln die spektakulären Up Helly Aa Feuerfestivals statt, bei denen ein nachgebautes Wikingerschiff in Flammen aufgeht. In Dumfries wird mit dem Big Burns Supper der schottische Nationaldichter Robert Burns gefeiert.

Wer also im Wintersemester in Edinburgh, Glasgow oder an einer anderen schottischen Universität studiert, sollte diese besonderen Events unbedingt nutzen. Sie bieten nicht nur Instagram-würdige Fotos, sondern auch die Chance, Schottland von einer Seite kennenzulernen, die viele Touristen nie zu Gesicht bekommen.

Fazit

Das Burning of the Clavie zeigt eindrucksvoll, warum Schottland so viel mehr ist als Edinburgh Castle und Loch Ness. Es sind die kleinen Orte, die unerwarteten Traditionen und die Menschen, die diese Bräuche am Leben halten, die das Land so besonders machen. Für Austauschstudenten ist es eine perfekte Gelegenheit, tiefer in die schottische Kultur einzutauchen und Erinnerungen zu sammeln, die ein Leben lang halten.

Also, falls ihr nächstes Jahr im Januar in Schottland seid: Markiert euch den 11. Januar (oder den 10., falls er auf einen Sonntag fällt) im Kalender und macht euch auf den Weg nach Burghead. Das neue Jahr beginnt schließlich nie zu spät – zumindest nicht in diesem besonderen schottischen Dorf.